Zitat von porkieÜber die DDR dürfen also nur Eingeborene diskutieren?
natürlich nicht
aber das Wort "diskutieren" beinhaltet doch den Austausch von Ansichten, das Zuhören/zur Kenntniss nehmen der Argumente des Diskussionspartners und möglicherweise sogar das Überdenken der eigenen Ansichten, wenn man feststellt, dass der Diskussionspartner aus irgendeinem Grund tiefer in der Materie steckt
was hier (im Osten) viele Leute wirklich nervt (nicht mich, sondern mittlerweile hört man das auch sehr gehäuft aus der "Helmut-nimm-uns-an-die-Hand,-für-uns-ins-Wirtschaftswunderland"-Fraktion), ist, von Westdeutschen ihr eigenes Leben erklärt zu bekommen
man hat sich ja noch bereitwillig die Marktwirtschaft erklären lassen, da kannte sich der Westdeutsche ja schliesslich aus (hähä... auch so ein Irrglaube... ) aber wenn man ihnen jetzt auch noch das eigene Leben erklären will...
und dass Westdeutsche eben i.d.R. Erfahrungen/Argumente, die nicht in die üblichen Klischees und in ihre vorgefertigte Meinung passen, komplett überhören, ignorieren und einfach nicht zur Kenntniss nehmen. als Westdeutscher weiss man schliesslich (und das allemal besser als jeder blöde Ossi) was hier abgelaufen ist man kennt es aus den Medien (und die vermitteln schliesslich ein allumfassendes Bild) und jeder hatte auch ein/zwei Bekannte/Verwandte im Osten (kennste einen - kennste alle )
und wer in irgendeinem Punkt von der plumben schwarz-weiss-Malerei abweicht, muss irgendwie systemnah gewesen sein wahrscheinlich sogar Stasi-Spitzel...
wie würdest Du reagieren, wenn ich Dir erkläre, wie die autofreien Sonntage '73 abgelaufen sind? da ich das ja alles ganz genau aus dem Fernsehen kenne, und auch schon mal mit 'nem Westdeutschen darüber gesprochen habe und mich das dann nicht die Bohne interessiert, wenn Du mir sagst, dass sich das überhaupt nicht mit Deinen Erfahrungen und denen einer ganzen Menge anderer Leute deckt, die dass alles selbst miterlebt haben (zugegebenermassen ein saublödes Beispiel, aber mir fällt auf die Schnelle kein anderes Highlight ein... )
manchmal beneide ich die Westdeutschen für ihr Weltbild alles so schön einfach...
Zitat von detlevwaltherGilt aber für beide Seiten. Das ist nämlich das Problem bei solchen Diskussionen. Alle haben Recht. Jeder auf seine Weise.
das sagtest Du schon mal
wird aber durch Wiederholung auch nicht richtiger
so wie ich Dir (und porkie und all den anderen) mehr Wissen über das Leben, den Alltag, die (möglicherweise) Probleme in der Alt-BRD (ohne jedes Wenn und Aber) zubillige, bin ich trotzdem der Meinung, dass jemand der hier (Osten) gelebt hat, dieses Leben doch wenigstens eine Winzigkeit besser beurteilen kann, als jemand mit dem ausschliesslichem Blick von aussen
Zitat von jj_two.................so wie ich Dir (und porkie und all den anderen) mehr Wissen über das Leben, den Alltag, die (möglicherweise) Probleme in der Alt-BRD (ohne jedes Wenn und Aber) zubillige, bin ich trotzdem der Meinung, dass jemand der hier (Osten) gelebt hat, dieses Leben doch wenigstens eine Winzigkeit besser beurteilen kann, als jemand mit dem ausschliesslichem Blick von aussen
Ja, hast Du Recht. Und das meine ich nicht etwa zynisch, sondern so wie es hier steht. Wo stand denn was anderes?
Wenn einer auf dem Papier schon Schlossermeister Schweißfachmann Schweißwerkmeister WIG + MAG Techniker für Betriebswissenschaft ist, frage ich mich, was ist er dann erst im wirklichen Leben
Ich erinnere in diesem Zusammenhang an Ulrich Mühe:
Zitat Wir demonstrieren hier für die Inhalte folgender Verfassungsartikel:
Artikel 27 der Verfassung der DDR: Jeder Bürger hat das Recht, den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß seine Meinung frei und öffentlich zu äußern. Dieses Recht wird durch kein Dienst- und Arbeitsverhältnis beschränkt. Niemand darf benachteiligt werden, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht. Die Freiheit der Presse, des Rundfunks und des Fernsehens sind gewährleistet.
Artikel 28: Alle Bürger haben das Recht, sich im Rahmen der Grundsätze und Ziele der Verfassung friedlich zu versammeln. Die Nutzung der materiellen Voraussetzungen zur unbehinderten Ausübung dieses Rechts, der Versammlungsgebäude, Straßen und Kundgebungsplätze, Druckereien und Nachrichtenmittel wird gewährleistet.
Also Moritz, in der DDR hatten wir genügend Arbeitslose in den Betrieben. Fakt. Kenne ich doch aus eigenem Erleben. Was aber machen mit Leuten, die der geteilte weltweite Arbeitsmarkt nicht braucht? Jede Krise setzt die Rationalisierungsspirale weiter fort. Es dauert nicht mehr lange, dann gibt es jede Menge vollautomatische Produktionsstätten. Da wird kein Mensch mehr gebraucht. Gehen wir doch mal zum Bereich "Foto". Früher saßen da jede Menge Leute in der Dunkelkammer und haben fleißig Bild für Bild durch die Chemikalien gezogen. Dann kamen die ersten Maschinen und es wurden noch die Hälfte der Leute gebraucht. Dann wurde es noch schneller: Großlabore mit 200/300 Leuten. 15000 mindestens wurden in den einzelnen Betrieben dadurch ersetzt. Dann kam digital. Über Nacht verschwanden 95% der Großlabore. Jetzt macht eine Maschine soviel wie früher 5 Großlabore. 15000 13x18 Bilder in der Stunde-vollautomatisch. Da nimmt niemand eine Tüte noch in die Hand. Wo soll das hinführen? Wir stellen Bilderrahmen her. 100.000 Stück im Jahr. Noch mit jeder Menge Handarbeit. Ich gehe jetzt her, muss das aus Wettbewerbsgründen, und stelle Teile der fertigung auf Halbautomation um. Durch neue Software wird aus dem Büro mit 2,5 Leuten ein Büro mit 0,5 Leuten. Niemand entwickelt ein Rezept für dieses Problem der ständig mehr wegrationalisierten Betriebe. Ich habe dafür auch kein Rezept. Muss ich auch nicht. Ich muss den Betrieb am Laufen halten.
Zitat von dresdnerlNiemand entwickelt ein Rezept für dieses Problem der ständig mehr wegrationalisierten Betriebe.
Ist ja eigentlich auch kein Problem. Wenn das ein Problem wäre, dann wäre es auch ein Problem, dass man heute Mähdrescher benutzt und nicht mehr mit Hand mäht. Eigentlich ist es doch ne Chance, keine langweiligen und monotonen Arbeiten mehr machen zu müssen, oder?
Das Problem ist, dass die Effizienzgewinne oft nur der Kapitalseite und nicht der Arbeitnehmerseite zukommen.
Es gibt genug ungetane Arbeit und unbefriedigte Bedürfnisse. Wenn ich mir da mal meine Kunden ansehe...